2021-08-23 11:13:53

Studium in Mathematik und Technik: Frauen weniger erfolgreich

Wer ein Studium aus dem MINT-Bereich (Mathe, Informatik, Naturwissenschaften oder Technik) abschließt, hat ausgezeichnete Chancen auf einen gut bezahlten Job. Wenn es nach Geschlechtern geht, sind Männer jedoch in den Studiengängen weitaus häufiger vertreten als Frauen. Eine aktuelle Sonderauswertung der Studierendensozialerhebung 2019 aus Österreich zeigt, dass letztere sogar ihr Studium häufiger und früher abbrechen.

Der Frauenanteil unter Studierenden technischen Fächern in Österreich ist trotz Bemühungen von Wirtschaft und Politik weiter gering. Im Studienjahr 2018/2019 lag dieser an öffentlichen Unis in den Bachelorstudien aus den Bereichen Informatik und Kommunikationstechnologie (IKT) bei nur lediglich 22 %, im Ingenieurwesen und verarbeitendem Gewerbe 23 % und in MINT-Studiengängen an den Fachhochschulen (FH) jeweils bei 24 %. Zum Vergleich: In anderen Ausbildungsbereichen beträgt der Frauenanteil an den Universitäten rund 59 % und an den Fachhochschulen 64 %. In den Pädagogikstudien sind es sogar rund 70 %.

Frauen werfen in den Fächern Mathe und Co. schneller das Handtuch

Frauen beginnen aber nicht nur deutlich seltener als Männer ein MINT-Studium, sie führen es auch deutlich seltener zu ende. Denn z. B. in IKT schlossen rund 28 % der Männer ihr Studium innerhalb von 13 Semestern erfolgreich ab. Bei Frauen waren dies hingegen nur 17 %. Nach dem Abbruch beginnen Frauen zudem öfter ein anderes Studium als Männer (IKT-Studien: 27 % im Vergleich zu 13 %). Die Studienmacher sind der Ansicht, dass es sich hierbei eher um einen Studienwechsel anstatt um einen Studienabbruch handelt. Ein Studienwechsel wird etwa durch Pull-Faktoren des Arbeitsmarkts verursacht. Zur Erklärung: Vor allem in Informatik kommt es häufig zur Abwerbung Studierender durch Arbeitgeber. 

Anders sieht es dagegen bei den Bildungsausländerinnen aus. Unter diesen versteht man jene weibliche Studierende, die in einem anderen Land ihren Schulabschluss gemacht haben. Bei ihnen ist die Erfolgsquote in den MINT-Fächern übrigens fast genauso hoch wie die der Männer.

Aber woran liegt das? Ein Grund für diese Geschlechtsunterschiede ist für die Studienmacher die unterschiedliche schulische Vorbildung: Die Erfolgsquoten sind bei jenen, die das Maturum (externer Link) einer Höheren Technischen Lehranstalt (HTL) absolviert haben, deutlich höher als nach einem AHS-Abschluss. Allerdings haben nur 8 % der Frauen, die ein MINT-Studium beginnen, ein Maturum an einer HTL gemacht. Dagegen waren es 52 % an einer AHS. Bei Männern waren dies 37 % bzw. 30 %. Dazu kommt, dass sich deutlich weniger Frauen als Männer nach der HTL-Matura überhaupt für ein MINT-Studium entscheiden (15 %  bzw. 48 %).

Doch selbst wenn nur Frauen und Männer mit der gleichen schulischen Vorbildung verglichen werden, bleiben die Unterschiede in der Erfolgsquote groß (bei IKT etwa 24 %  bzw. 39 %). 

Frauen schätzen ihre Kenntnisse in Mathematik häufig schlechter ein

So schreiben sich etwa Frauen unabhängig von der besuchten Schulform deutlich häufiger schlechte Mathematik- und Computervorkenntnisse zu als ihre Studienkollegen. Frauen fühlen sich außerdem unmittelbar vor Studienbeginn deutlich seltener gut informiert über studien- und arbeitsmarktbezogene Aspekte ihre Studiums, zögern deutlich öfter bei ihrer Studienwahl und sind im Studium öfter unzufrieden mit der Studierbarkeit (Wartezeiten, Prüfungsdichte, Planbarkeit etc.) und der Qualität der Lehre.

Die Ergebnisse zeigen: Bei den MINT-Studiengängen gibt es deutlichen Handlungsbedarf, um die Ungleichheiten zu beseitigen. Dazu sollte nicht nur beim Zugang zu diesen Fächern, sondern auch bei den konkreten Studienbedingungen und der Frage des Studienerfolgs gehandelt werden.

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